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Work-Life-Blending verspricht mehr Flexibilität, Zufriedenheit und Motivation Ihrer Mitarbeiter. Was das Modell kann und wie Sie es angemessen nutzen.

Strahlen statt Ausbrennen – so gelingt Work-Life-Blending

Hannes Knorr / 26. Juni 2018

Work-Life-Blending – auch als Work-Life-Integration oder Work-Life-Flow bekannt – ist eines der umstrittensten Arbeitszeitmodelle der letzten Jahre. Der Übergang zwischen Berufs- und Privatleben ist dabei fließend. Was Sie als Unternehmer über Work-Life-Blending wissen sollten.

Work-Life-Blending: Der neue Trend verspricht Flexibilität und erhöhte Motivation der Mitarbeiter. Die private Sphäre dringt dabei in die berufliche ein und umgekehrt.

Work-Life-Blending, Work-Life-Integration, Work-Life-Flow, Familie, Beruf, Alltag, UnternehmenKonkret heißt das: Mitarbeiter können ihre Arbeitszeit im Büro dazu nutzen, auch mal eine private E-Mail auszusenden oder in der Mittagspause kurz zum Yoga-Kurs springen. Im Gegenzug erledigen sie in ihrer Freizeit Berufliches.

So werden auch nach Feierabend noch E-Mails beantwortet, am Wochenende Kundenanrufe entgegengenommen oder liegen gebliebene Schreibtätigkeiten im Home Office fertig gestellt.

Der Vorgänger des Work-Life-Blending heißt Work-Life-Balance: Hier werden Arbeits- und Privatleben klar voneinander getrennt.

Work-Life-Blending: Strahlen oder ausbrennen?

Laut Arbeitszeitgesetz (AZG) ist die Arbeitszeit eindeutig messbar. Beim Work-Life-Blending wird diese Messung aber unmöglich: Wie soll das Versenden einer E-Mail um 21:33 Uhr verrechnet werden? Soll der Mitarbeiter jede Minute, in der er in der Arbeit eine private Nachricht schreibt, von seinem Zeitkonto abziehen?

Work-Life-Blending ist also ein Geben und Nehmen. Besonders wichtig ist gegenseitiges Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Mitarbeitern. (Welche Mitarbeitertypen eher ungeeignet sind für Home Office und Co. erfahren Sie in unserem Beitrag über schwierige Mitarbeitertypen.)

Nicht alle Mitarbeiter sind für Work-Life-Blending gemacht. Achten Sie darauf, dass Ihre Belegschaft nicht von dem Modell überfordert ist und Freizeit auch mal Freizeit bleibt!

Work-Life-Blending: Familie, Freizeit und Beruf unter einen Hut bringenEine Studie von YouGov aus dem Jahr 2014 hat ergeben, dass Mitarbeiter im Work-Life-Blending eher dazu neigen, Berufliches während ihrer Freizeit zu erledigen als Privates im beruflichen Alltag.

Das liegt vor allem daran, dass dieses Arbeitszeitmodell nicht nach der Stempeluhr geht, sondern nach Leistung. Hier weiß jeder, welches Projekt bis wann fertigzustellen ist.

Die ständige Erreichbarkeit kann dazu führen, dass Mitarbeiter nicht mehr abschalten können – unbezahlte Überstunden und eine Belastung der Gesundheit sind die Folge.

Umfrage von Talents & Trends (April 2018, Befragung von 1020 Berufstätigen in Deutschland), Studie Work-Life-Blending

Umfrage von Talents & Trends (April 2018, Befragung von 1020 Berufstätigen in Deutschland)

Auf der anderen Seit verspricht Work-Life-Blending eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf.

Das Modell überzeugt durch Spontaneität: Wenn das Kind plötzlich krank ist und von der Schule abgeholt werden muss, ist dies durch die Integration von Beruf und Alltag problemlos möglich.

Für Ihren Betrieb verspricht das Vorteile im War for Talents. Bewerber, vor allem jene der Generation Y, wollen Jobs, die die Möglichkeit zur Vertrauensarbeitszeit oder Home Office mit sich bringen.

Eine Umfrage von Talents & Trends hat ergeben, dass 40% der Arbeitnehmer durch Work-Life-Blending regelmäßig Überstunden machen – fehlt der Ausgleich ebendieser, ist das für 68% ein Kündigungsgrund.

Die Befragten gaben jedoch auch an, dass die Verschmelzung von Privat und Beruf Vorteile bringen kann (40%) und karrierefördernd sei (61%).

In unserer Checkliste erhalten Sie Tipps, wie Sie das Work-Life-Blending Ihrer Mitarbeiter managen können.

Checkliste: So kann Work-Life-Blending funktionieren

Nicht jeder Job ermöglicht eine Work-Life-Integration. Überlegen Sie, ob Mitarbeiter zuhause die Möglichkeit haben, Arbeit zu erledigen. Gibt es im Berufsalltag Luft für private Angelegenheiten?

Mitarbeiter im Work-Life-Blending sollten flexibel, offen und gut organisiert sein. Das bedeutet auch, zu wissen, wann die Freizeit beginnt oder welche E-Mails wirklich noch nach Dienstschluss versendet werden müssen.

Work-Life-Blending soll motivieren: Wenn Sie merken, dass ein Mitarbeiter sich überarbeitet: Schreiten Sie ein! Ihre Mitarbeiter sollen strahlen – nicht ausbrennen!

Nutzen Sie BYOD, um das Work-Life-Blending zu vereinfachen. (Mehr dazu im nächsten Absatz.)

Gleitzeit und Home Office sind geeignete Arbeitszeitmodelle für funktionierendes Work-Life-Blending.

Wichtig: Sie müssen Ihren Mitarbeitern vertrauen und daran glauben, dass diese ihre Arbeit gewissenhaft erledigen. Nur so kann Work-Life-Blending wirklich funktionieren!

Digitalisierung: Work-Life-Blending durch BYOD

Work-Life-Blending, BYOD, bring your own device, eigene GeräteDas Modell der Work-Life-Integration ist vor allem durch die Digitalisierung der letzten Jahre entstanden. Der Einsatz mobiler Endgeräte wie Smartphones, PC-Tablets oder Laptops erleichtert den Einzug des Beruflichen in den privaten Bereich und umgekehrt.

Trends wie BYOD – kurz für „bring your own device“ (zu dt.: bring dein eigenes Gerät) – treiben den fließenden Übergang immer mehr voran. Das erleichtert die Telearbeit, sollte aber gut organisiert sein. Checkliste: Darauf müssen Sie bei BYOD achten.Work-Life-Blending, Work-Life-Integration, Work-Life-Flow, kann funktionieren, Burn-Out, Beruf, Familie, Alltag

Work-Life-Blending kann, wenn gut genutzt, den Arbeitsalltag Ihrer Mitarbeiter enorm erleichtern. Mehr Flexibilität fördert Produktivität, Zufriedenheit und Motivation. Im Gegenzug sollten Sie als Arbeitgeber darauf achten, dass Ihre Mitarbeiter eine gesunde Balance zwischen Beruf und Alltag halten.


Mehr zu flexiblen Arbeitszeitmodellen erfahren Sie in unserer Übersicht.